
Immer wieder höre ich Gespräche, ob im Dozentenzimmer, privat oder mit meinen Kund:innen, dass kreative Arbeit, vor allem Fotografie, Illustration und Grafik Design von Künstlicher Intelligenz bedroht wäre. Das würde heißen, dass immer mehr Aufträge und Jobs auf dem Spiel stehen. Parallel wachse aus verschiedenen Gründen die Do-it-Yourself Mentalität an, die ja alles einfacher und günstiger mache. Manche Designer empfinden, dass der konzeptionelle Teil, so wie auch kreative Teil der Arbeit so weit wegfällt, dass sie allenfalls nur noch rein handwerkliche "Umsetzer" sind. Manchmal ist diese Angst abstrakt, manchmal aber auch sehr begründet, konkret und kann sogar mit Anekdoten untermalt werden. Doch ist das wirklich so? Da ich in den letzten zehn Jahren aus verschiedenen Sektoren, Bereichen und Branchen Aufträge begleitet habe, kann aus Erfahrung sprechen: Es findet in der Tat ein Wandel statt, und ja, es gibt ein Muster!
Bei der Behauptung, dass pauschal KI der Grund ist, dass die Auftragslage stagniert oder zurückgeht, bin ich eher zurückhaltend. Das smarte Nutzen von KI bedarf genauso handwerkliche und kreative Expertise wie das Gestalten selbst. Wenn ich mir selbstgepromptete kI-generierte „Vorlagen-Designs“ von Kunden oder anderen Stakeholdern ansehe, die keine Design-Kompetenz innehaben, beobachte ich häufig bei dem Vergleich mit dem Briefing: Das was hier gewollt ist, trifft es (noch) nicht. Oder im Worst-Case: Der Kunde weiß nicht, was er will. Vollkommen gleich, ob das jetzt ein stylisches Design ist oder nur ein flaches ausgelutschtes Ikea-Plakat Design, dass schon jeder gesehen hat. Die Idee, die ursprünglich gebrieft wurde, trifft es hier (noch) nicht.
Inspiration ist das Stichwort. Und genau da ist auch schon der erste Grund, warum es eben doch Hand, Herz und Hirn einer Designerin braucht! Nicht falsch verstehen: Die Nutzung von KI sollte niemals nur wenigen Berufsgruppen vorbehalten sein. Es ist gut, wenn Auftraggeber KI im Berufsalltag nutzen. Zur Arbeitserleichterung und für Recherche. Zur Selbstvergewisserung, was man eigentlich will. Es macht Spaß! Es zeigt neue Wege. Und wenn man es smart einsetzt, verliert man nicht Zeit, sondern spart sie. Aber was eine/n gute/n Designer/in ausmacht ist eben nicht nur das bessere Layout oder das Schön-Machen. Es ist die Inspiration, die man durch viel Erfahrung und Ausbildung innehat, die eben anderen vorenthalten ist. Das ist der heimliche Instrumentenkasten, der eben erst wächst, je mehr Erfahrung man hat. Eine Designerin kann zeigen, dass es eben nicht ausreicht, Bildchen zu generieren und kann auch klar, transparent und fair formulieren, warum das so ist. Recherche-Prompts, auch wenn die Qualität und Performance der Bild- und Sprach-Modelle zunimmt, haben und behalten nur einen groben Skizzencharakter, der aussieht wie weichgekochter Durchschnitt – die unzureichende Produktionsqualität ist hier noch ausgeklammert.
Auch diese Art des Auto-Designings braucht immernoch die Expertise, Inspiration und das handwerkliche Auge eines Designers. 2015 waren es Website-Baukasten Systeme, 2025 sind es KI-Modelle. Wir als Designer/innen dürfen keine Angst davor haben vor dem Überflüssigmachen des Berufsstandes. Wenn Designer all diese Technologien als Bedrohung sehen, haben sie verloren. Designer können mit Auftraggebern so zusammenarbeiten, dass sie wissen, was sie an ihm/ihr haben, unabhängig von der reinen Technik und ohne das eigene Gesicht zu verlieren. Aber es erfordert von Designer/innen eben auch die Disziplin, sich fortzubilden, und Anstrengung und Tiefgang, sich neu zu positionieren und klar zu argumentieren, warum man genau die oder der richtige Designer ist.